Wenn in Hamburg über Stickoxid geredet wird, geht es meist um die Max-Brauer-Allee oder die Habichtstraße. Seit Jahren werden an diesen Straßen die Grenzwerte, die seitens der EU bereits im Jahr 1999 (!) zum Schutz der menschlichen Gesundheit festgelegt wurden und die seit dem Jahr 2010 in ganz Deutschland verbindlich einzuhalten sind, massiv überschritten. Heimfeld taucht in den Medien diesbezüglich nicht auf, obwohl auch hier die Grenzwerte überschritten werden.

Was aber ist an Stickoxid problematisch? Nun, es reizt die Schleimhäute der Atemwege und der Augen. In der Folge können Husten sowie Atem- und Augenbeschwerden auftreten. Bei hohen Konzentrationen steigt das Risiko für Herz- und Kreislauferkrankungen sowie für Schlaganfälle. Hohe Stickoxidwerte können außerdem Kopfschmerzen und Schwindel auslösen. Besonders stark betroffen sind Personen mit Vorerkrankungen, wie Asthmatiker, und in besonderem Maße Kinder.

Die Gase tragen zudem zur Entstehung von bodennahem Ozon und Feinstaub bei. Feinstaub wiederum dringt tief in die Lunge ein, Schleimhautreizungen, Entzündungen, Diabetes und Herzerkrankungen sind die Folge. Besonders kleine Feinstaubpartikel schaffen es darüber hinaus bis in die Lunge und können die Blutgefäße schädigen oder Krebs verursachen.

Einen guten Überlick zum Thema gibt dieses kurze Video:

Zusammen mit Dieselruß sind Stickoxide für jährlich etwa 300.000 bis 400.000 Tote in Europa verantwortlich. Das Bundesumweltamt schätzt, dass deutschlandweit ca. 46.000 vorzeitige Todesfälle auf Feinstaub zurückzuführen sind. Nach Einschätzung der Europäischen Umweltagentur kommen in Deutschland darüber hinaus jährlich etwa 10.000 vorzeitige Todesfälle durch die hohe Stickoxidbelastung hinzu. In Hamburg kommen daher etwa 1.600 Menschen pro Jahr an den Folgen von Feinstaub und Stickoxid zu Tode, so der NABU.

Hauptursache für die hohe Stickoxidbelastung in Städten ist fast immer der Verkehr. So schreibt das Bundesumweltamt: „Stickstoffoxide entstehen als Produkte unerwünschter Nebenreaktionen bei Verbrennungsprozessen. Die Hauptquellen von Stickstoffoxiden sind Verbrennungsmotoren und Feuerungsanlagen für Kohle, Öl, Gas, Holz und Abfälle. In Ballungsgebieten ist der Straßenverkehr die bedeutendste NOx-Quelle.

Obwohl Heimfeld mit Blick auf die Stickoxidbelastung nie in den Schlagzeilen ist, wird auch hier der verbindliche und rechtlich garantierte Stickoxid-Grenzwert in Höhe von 40 µg/m³ an einigen Straßen überschritten. So hat die Behörde für Umwelt und Energie (BUE) vor einigen Jahren eine Studie zu den Kfz-bedingten Schadstoffemissionen in Hamburg in Auftrag gegeben. Für Heimfeld im Jahr 2011 kam die Studie zu den auf der Karte zu sehenden Befunden.

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Stickoxidbelastung an Heimfelder Straßen – Befunde für das Jahr 2011, Quelle: BUE

Demnach wurden im Jahr 2011 auch an einigen Straßen in Heimfeld die Stickoxidgrenzwerte überschritten, an vielen anderen Straßen lagen die Werte nur knapp darunter. Für das Jahr 2015 wiederum wurden, wie eine aktuelle Transparenzanfrage zeigt, seitens der Behörde für folgende Straßenabschnitte in Heimfeld Grenzwertüberschreitungen geschätzt:

  • Alter Postweg, Abschnitt Gazertstraße bis Haakestraße: 41 µg/m³. Anwohner in diesem Abschnitt: 326. Anwohner im gesamten Straßenzug: 463 (Betroffenenquote: 70%)
  • Stader Straße, Abschnitt Höhe Hausnr. 106 bis 122: 41 µg/m³. Anwohner in diesem Abschnitt: 226 . Anwohner im gesamten Straßenzug: 1360 (Betroffenenquote: 17%)

Gleichwohl muss man anmerken, dass für viele Straßen Werte nicht einmal berechnet wurden und hier somit blinde Flecken vorliegen. Weder für den Milchgrund/ Lohmannsweg und den Eißendorfer Pferdeweg noch für die Heimfelder Straße hat die Behörde proaktiv Informationen bereit gestellt.

Eine Nachfrage bei der Behörde für Gesundheit und Verbraucherschutz ergab jedoch für die Heimfelder Straße eine Belastung von 32 µg/m³. Damit liegt der Wert bei 80 Prozent des Grenzwertes, was nach Einschätzung der Behördengutachter (s. Gutachten, S. 14)  einer erhöhten Konzentration des Schadstoffs in der Atemluft entspricht und den ebenfalls gesetzlich geltenden Grenzwert zum Schutz der Vegetation ( in Höhe von 30 µg/m³) bereits überschreitet. Da sich die ortsübliche Stickoxidbelastung, die so genannte Hintergrundbelastung, in Heimfeld auf 22 Mikrogramm beläuft, liegt der Wert für die Heimfelder Straße rund 50 Prozent oberhalb dessen, was für eine Straße in Heimfeld normal wäre.

Gleichwohl wurden die Schätzungen seitens der BUE, anders als z.B. in Berlin, infolge des aktuellen Diesel-Abgasskandals bislang nicht überarbeitet (s. diese Transparenzanfrage). Während in Berlin die Zahl der Betroffenen somit vor Kurzem um gut 50 Prozent nach oben korrigiert wurde (s. Artikel der BZ-Berlin), wird in Hamburg nach wie vor mit Schätzungen gearbeitet, die die aktuellen Entwicklungen und Erkenntnisse nicht ansatzweise berücksichtigen. Die tatsächliche Schadstoffbelastung dürfte daher wohl eher noch höher ausfallen.

Explaining road transport emissions
Stickoxidemissionen nach EURO-Klassen – gesetzliche Vorgabe vs. Realität
Quelle: ICCT, 2014a; Emisia, 2015
http://www.eea.europa.eu/publications/explaining-road-transport-emissions, S. 15

Wer dennoch wissen möchte, wie die Stickoxidbelastung in seiner Straße in etwa ausfällt, kann sich direkt an die Behörde für Umwelt und Energie wenden und beispielsweise eine Tranparenzanfrage über die Seite fragdenstaat.de stellen oder sich auch direkt an das  zuständige Amt für Immsionsschutz und Betriebe richten, z.B. via E-Mail an: immissionsschutz@bue.hamburg.de.

Dort, wo die Grenzwerte überschritten werden, oder wo die Schätzwerte nahe an diesen liegen, haben Betroffene darüber hinaus die Möglichkeit die Stadt dazu aufzufordern, unverzüglich zu ihrem Schutz tätig zu werden und z.B. den Verkehr zu beschränken oder umzuleiten. Wie dies geht, zeigt der ADFC Hamburg auf seiner Internetseite unter: Selbst aktiv werden!

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