Ein Grund, der häufig von den Hamburger Behörden herangezogen wird, um Tempo 30 abzulehnen, ist das Vorhandensein einer Hochbahn-Buslinie. Gerne wird darauf verwiesen, dass Rechts-vor-Links-Regelungen den Fahrtkomfort einschränken würden oder dass der Hochbahn zusätzliche Kosten entstehen könnten, da sie bei längeren Fahrzeiten u. U. mehr Busse einsetzen müsste – so z.B. gerade geschehen als Begründung für die Ablehnung von Tempo 30 auf Teilen der Veringstraße in Wilhelmsburg.

Nichtsdestotrotz fahren derzeit viele Buslinien in Hamburg völlig problemlos durch Tempo-30-Zonen und –Abschnitte (siehe Bürgerschaftsdrucksachen 20/1190 und 21/555). Das gilt auch für die Linie 142, die z.B. durch den Alten Postweg, die Denickestraße und einen Teil der Triftstraße fährt, obwohl dort die Geschwindigkeit schon vor längerer Zeit auf maximal 30 km/h begrenzt wurde.

Dass dies möglich ist, liegt zum einen daran, dass es verschiedene Verkehrszeichen gibt, die auch in Tempo-30-Abschnitten Vorfahrt gewähren. So regelt beispielsweise die Verwaltungsvorschrift der Straßenverkehrsordnung (VwV-StVO) ausdrücklich, dass in Tempo-30-Bereichen die Rechts-vor-Links-Regel aufgehoben werden kann, wenn dort eine Buslinie verkehrt:

Wo die Verkehrssicherheit es wegen der Gestaltung der Kreuzung oder Einmündung oder die Belange des Buslinienverkehrs es erfordern, kann abweichend von der Grundregel „rechts vor links“ die Vorfahrt durch Zeichen 301 angeordnet werden.“

Zum anderen sind die tatsächlichen Geschwindigkeitseinbußen häufig nur sehr gering, wie sich am Beispiel der Linie 142 für die Heimfelder Straße zeigen lässt. So würde ein Bus für die etwa ein Kilometer lange Strecke zwischen dem Alten Postweg und der Kreuzung Eißendorfer Pferdeweg bei einer Konstantfahrt mit Tempo 50 – also ohne zu bremsen oder anzuhalten – 1,12 Minuten benötigen. Bei Tempo 30 würde sich die Fahrzeit um 48 Sekunden auf 2 Minuten verlängern.

Nun befinden sich auf dieser Strecke jedoch fünf Ampeln (wenn man diejenige am S-Bahnhof Heimfeld sowie diejenige am Eißendorfer Pferdeweg mitrechnet) sowie vier Bushaltestellen. Im Extremfall muss der Bus also auf der 1000 Meter langen Strecke maximal 9-mal anhalten und dabei ständing bremsen und beschleunigen.

Um zu verdeutlichen, was das bedeutet, habe ich heute mit Google Maps und einem GPS-Geschwindigkeitstracker einmal dokumentiert, wie der 142er-Bus vom S-Bahnhof Heimfeld zur Bushaltestelle Heimfelder Straße fährt (Mittwochnachmittag, kurz nach 17.00 Uhr, außerhalb der Ferien; die orangenen Linien auf der Straße zeigen ein mittleres Verkehrsaufkommen an).

Im Video sieht man links oben die Geschwindigkeit in km/h und ansonsten, wie sich der Bus die Heimfelder Straße entlang bewegt. Deutlich zu sehen ist, dass die Geschwindigkeit bestenfalls 40 km/h erreicht. Das aber auch nur kurzfristig, meist fährt der Bus im Bereich von 15 bis 35 km/h. Der Bus muss auf der rund 800 Meter langen Strecke darüber hinaus 4-mal abbremsen; 3-mal wegen einer Haltestelle, 1-mal wegen eines PKW, der in den Kiefernberg abbiegt. Im Mittel liegt die gefahrene Geschwindigkeit, während der Bus fährt, bei 26 km/h. An einer Ampel musste er diesmal nicht anhalten. Die Reisezeit beträgt 2,44 Minuten für 800 Meter.

Diesen Versuch habe ich nun schon einige Male gemacht. Im Durchschnitt fährt der Bus zwischen 22 und 28 km/h. Da wären 30 km/h schon mal eine Ansage…

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